So, ist viel passiert seit dem letzten Update, aber der Reihe nach:
Während Deutschland sich zu einem Winter-Wonderland verwandelte, hieß es bei uns Monsun-Regen. Regen, Regen und noch mehr Regen, meistens Nachmittags und Nachts. Von vollgelaufenen Wohnzimmern über gefährlich rutschige Straßen. Trotzdem hielt das den Geist der Weihnacht absolut nicht auf, „Santa Claus is coming to Town“ ertönte aus so manchen Geschäften während die 30°C+ und die Luftfeuchtigkeit mich dann doch ein bisschen den Allgäuer Schnee vermissen lassen hat. Zum eigentlichen Fest, dass hier am 25. seinen Höhepunkt erreicht, kam dann Nadine, Freiwillige in Sumatra, zu uns nach Java. Zusammen wurde dann in die Weihnachtskultur Indonesiens eingetaucht, die zu meiner Überraschung von November bis Februar geht, dazu aber später mehr. Als beim Heiligabend-Gottesdienst dann Lieder wie Stille Nacht, natürlich auf Landessprache, gesungen wurden, kam dann doch der ein oder andere Hauch an Nostalgie auf, doch dafür war keine Zeit. Kaum war ein Gottesdienst zu Ende, musste man sich auf den nächsten vorbereiten. Um 4:30 aufstehen und mit starkem Bass unterlegten Weihnachtspop im Stadtpark hören, Gottesdienst in javanischer Manier, Familiengottesdienst….. Ich war in 10 Tagen 8 Mal in der Kirche, als unregelmäßiger Kirchengänger war das natürlich ordentlich. Mit kleinem Weihnachtsbaum und ein paar wenigen Geschenken, die wir für unsere Gastfamilie vorbereitet hatten wurde dann das Haus auch immer voller – knapp 50 Leute waren zeitweise zu Gast und es wurde gegessen und zwar so richtig! Das erste Mal, dass ich Waran (die Echse) probiert habe, kann ich aber nicht wirklich empfehlen, ist nicht so viel dran. Um dem ganzen Trubel dann zu entkommen, hatten wir unseren ersten Urlaub geplant, der Ort, den jeder Besucher Indonesiens einmal erlebt haben sollte – Bali zu Silvester. Anhang: Ende Februar war die letzte Weihnachtsfeier, war dann aber weniger weihnachtlich…
Ende Dezember starteten wir dann also auf unsere kleine Reise, ein Schlafbus der Denpasar, Hauptstadt Balis, in gut 15 Stunden erreichen sollte. Nachdem Jannik und ich es uns in zwei sehr gemütlichen Sitzen/Betten bequem gemacht hatten, ging es los. Unspektakuläre Reise, ein bisschen geschlafen, kurz Mal geweckt, als wir uns auf der Fähre befanden und dann um 6:00 früh die Ankunft. Problem war, Check-in ist um 14:00, also was ist die einzig logische Konsequenz für zwei Jugendliche mit Reiserucksäcken im Morgenrot? Ab zum 24/7 McDonalds und sich eine sehr mittelmäßige Stärkung aus dem kleinen Frühstücksmenü gönnen.
Doch einmal zu Bali, das war erstmal ein dicker Kulturshock – wochenlang wird man angefüttert mit Bildern und Videos auf Social Media und denkt, dass Java und Bali doch gar nicht so unterschiedlich sind. Ich hätte nicht falscher liegen können! Man muss diese Insel ein bisschen verstehen, daher ein kurzer Überblick: Alle Touristen halten sich im Süden auf, die meisten in Canggu, einer Kulissenstadt die nach Avocadotoast und Smoothiebowls schreit und Seminyak, bekannt für das schillernde Nachtleben. Weiter südlich gibt es noch Uluwatu und Sanur und Kuta, früher mal Hotspots aber jetzt eher entspannt. Und natürlich Ubud, der Platz wo du dein spirituelles Selbst kennenlernst, indem du tausende Euros für eine Yoga-Retreat ausgibst. Der Norden Balis ist trotzdem immer noch sehr traditionell, gerade ist ein Tauchkurs dort in der Planung.
Natürlich sobald irgendwo Touristen sind, steigen auch die Preise – von 50 Cent für ein Mittagessen auf gut 12€, selbst das traditionelle Babi Guling (Spanferkel) nicht unter 6€. Doch erstmal wurde ein bisschen erkundet, stellt sich raus, es lohnt sich den Einheimischen auf Schleichwegen zu folgen, wenn man die überfüllten Straßen vermeiden will und die besten, leeren Strände sucht. Weißer Sand, warmes Wasser und Kokosnüsse, was will man denn eigentlich mehr. Auch weil wir jetzt mittlerweile flüssig in der Landessprache sind, hatten wir viele tolle Begegnungen und durften den traditionellen Reisschnaps, Arak Bali, verkosten. Dann wurde natürlich das besichtigt, wofür Bali bekannt ist, filmreife Reisterassen, freche Affen, imposante Wasserfälle und hinduistische Tempel. Unfassbar freundliche Leute und faszinierende Rituale natürlich mitinbegriffen.
Doch dann passierte, was irgendwann passieren musste – Bali Belly, auf gut deutsch „ne ausgewachsene Lebensmittelvergiftung“. Doch nicht von den kleinen Ständen am Straßenrand, die am Boden auf Holzkohle Mais grillen, sondern überraschenderweise vom Hotelfrühstück. Also erstmal ein, zwei Tage Ruhe in einer Stadt, die nie stillsteht. Doch es ging für uns weiter, nach Nusa Penida – eine Insel südöstlich von Bali, bekannt für atemberaubende Strände und eine einmalige Unterwasserflora und -fauna. Auf Google waren die Bungalows, die wir mit Meerblick gebucht hatten traumhaft und das sollte sich bewahrheiten, nur muss man erstmal dahin kommen. Straßen gab es nicht so richtig, eher Waldpfade und sich schlängelnde Buckelpisten. Demzufolge haben wir auch fast jeden Tag mitbekommen, wie ein Auto den Hang runtergerutscht ist und wieder hochgezogen werden musste.
Der Aufenthalt dort startete mit einem Schnorchelausflug, den ich so schnell nicht vergessen werde. Nach gut einer Stunde auf dem Boot hieß es ab ins Wasser und während alle Anderen in Richtung Land paddelten ließen wir uns ein bisschen treiben und da war er. Ein junger Mantarochen, locker so groß wie ich selbst, der unter mir aus der dunklen Tiefe auftauchte und mir sehr nahe kam (ich habe in dem Moment nochmal ganz scharf überlegt, ob der nicht doch giftig sein könnte). Irgendwann hat das aber die große Masse mitbekommen und das Wasser um dem armen Rochen gleichte mehr dem Nichtschwimmer Becken im Freibad an einem heißen Tag. Also weiter mit dem Boot und zu tollen Korallenriffen, Nemo und Dorie inklusive. Unvergesslich war der Ausflug aber nicht nur deswegen. Während sich alle Touristen panisch eincremten sobald sie aus dem Wasser kamen, haben wir nur mit Blick zu dem wolkenbedeckten Himmel gelacht, wir wollten ja braun werden… (berühmte letzte Worte)
Ein Sonnenbrand, der sich gewaschen hatte, den Reiserucksack zu tragen wurde plötzlich zur reinsten Tortur. Der Rest der Insel hat aber definitiv nicht enttäuscht, ein paar Fotos davon werde ich hier noch hochladen!
Noch angeschlagen, mit Sonnenbrand und Augenringen von langen Nächten ging es dann zurück, dummerweise waren die Schlafbusse schon ausgebucht. Also gut 19 Stunden aufrecht sitzen und hoffen, dass der Akku bis nach Hause noch reicht!
Alles in allem ein erfolgreicher Urlaub, alles mitgenommen was geht und darum gehts ja!
Vom Highlife wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück ging es natürlich erstmal an die Arbeit. Mittlerweile klappt der Unterricht wunderbar auf Indonesisch und die Schüler freuen sich, wenn ich komme und ich bin voll drin im „wer geht mit wem“ Getratsche unter den Schülern. Im Kindergarten versuche ich gerade eine Mischung aus Allgemeinwissen und Englisch, letzte Woche haben wir gelernt wie man einen Brief schreibt, diese Woche war dran, warum es Tag und Nacht gibt, begleitet von den Vokabeln für Sonne, Mond und Erde. Bei Videos von der ISS konnten die Kinder ihre Begeisterung nicht zurückhalten und sind eifrig beim Englischunterricht dabei. In der Junior High School (SMP) sind es dann doch eher Themen wie Simple Past, irregular Verbs und -ing Formen.
Wenn ich dann am Wochenende mal frei habe, stehen bei mir immer kleine Städtetrips auf dem Plan, oft nach Solo und Freunde besuchen, Museen oder Nachtmärkte. Aber auch Surabaya, Semarang und Yogyakarta sind immer mal wieder dabei. Von Kulturprogramm und gutem Essen bis zu tollen Gesprächen und nächtlichen Wanderungen. Ohne jeglichen Kontext zu geben, irgendwann sind Jannik und ich spontan Teil einer Live-Band geworden und haben performt bis sich die Balken biegen.
Dennoch stellt sich das Leben hier trotzdem als Herausforderung heraus, gerade was die Kommunikation angeht. Weniger Sprachbarriere, mehr Kulturunterschiede. Mal rein hypothetisch, hätten wir ein Problem und sprechen das an, wird es direkt als persönlicher Angriff gewertet, heißt man muss sich Strategien überlegen, gewisse Themen anzusprechen, schwierige Sache. Auch was machst du, wenn mal ein paar Tage kein Trinkwasser da ist aber der Regen zu stark um überhaupt rauszugehen oder sich Würmer in Duschwasser befinden? Man lernt sehr schnell damit dann irgendwie umzugehen und selber Lösungen zu finden. Da gerade Ramadan ist und ich versuche so gut ich kann mitzufasten, verändert das den Alltag doch schon enorm. Gerade die letzte Stunde vor Sonnenuntergang stellt sich dann doch als schwer raus, doch das ist die Challenge dabei! Abgesehen davon sind die Snacks zum Fastenbrechen (iftar) wirklich etwas, dass ich in Deutschland vermissen werde.
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